„Abba fand ich immer cool“

Am Sonnabend spielt die Jazzband „Trafo“ in der Stadtbibliothek. Auch der Musikschullehrer Thilo Holz aus Wolgast ist dabei.

Die E-Gitarre ist sein Lieblingsinstrument. Thilo Holz machte seine Leidenschaft zum Beruf.	OZ-Foto: T. S.Wolgast „Hallo! Gehören Sie zur Kelly Family?“ Thilo Holz nimmt solche kleinen Spitzen gelassen. Was er auf jeden Fall mit der irischen Familie gemein hat, ist die Liebe zur Musik. Seit dem achten Lebensjahr spielt der Wolgaster Musikschullehrer Gitarre. Zunächst zupfte er am Konzertinstrument, dann konnte er endlich umsatteln auf E-Gitarre. „Das war mein Traum von Anfang an“, sagt er. „Wenn andere Autos und Raketen gemalt haben, pinselte ich Gitarren. Wendelschnüre, Regler und so weiter habe ich mir bei Abba abgeguckt. Abba fand ich immer cool.“
Die Musik prägte bisher Thilo Holz' Werdegang. Als er beim Studium an der Musikhochschule „Franz Liszt“ in Weimar zur Hallenser Band „Belive in spring“ stieß, schnupperte er erstmals Star-Luft. Die zelebrierten Rhythmen Richtung „Depeche Mode“ und „Tears for Fears“ kamen an beim Publikum. Die Band wurde entdeckt, PR-mäßig aufgebaut und erhielt 1994 ihren ersten Plattenvertrag bei BMG Ariola München.
„Wir tourten bei regionalen Großveranstaltungen in Sachsen-Anhalt und lernten die Amplituden des Showgeschäfts kennen“, berichtet der heute 36-jährige Familienvater, der diese Erfahrung nicht missen will. Sie hilft ihm, gesicherte und geregelte Lebensverhältnisse zu schätzen. Bis Thilo Holz 1995 als E-Gitarrenlehrer in Wolgast an der Kreismusikschule Ostvorpommern anfing, sammelte er weitere Banderfahrung in Duos und Trios. Der sympathische Lebemann in bevorzugt schwarzer Kleidung und mit obligatem Zopf genießt die Harmonie mit anderen. „Die Interaktion, das Aufeinander-Reagieren, Stücke gemeinsam steigern, das macht für mich den Reiz aus“, erklärt er. „Es mag schräg klingen, aber bei mir ist das Phänomen Zeit wie ausgehebelt beim Spielen.“
Hunderte Schüler lernten bei Thilo Holz inzwischen das Gitarrenspiel. Den Wolgaster Maik Reishaus begleitete er bis zur Musikhochschule Osnabrück, wo er im Hauptfach Bassgitarre studiert. Holz' Schüler Stefan Jarling aus Groß Ernsthof studiert in Leipzig Musikwissenschaft. Zudem betreut der Lehrer die Wolgaster Jugendbands „Wednesday“ und „The Woods“, erarbeitet mit den Nachwuchskünstlern Stücke, hilft ihnen bei Arrangements.
Vom öffentlichen Auftritt hat Thilo Holz auch selbst nie lassen können. Seit zwei Jahren wirkt er in der Wolgaster Klezmer-Band mit, die bei Konzerten jüdische Folkloremusik unter die Leute bringt. Im September 2005 gründeten er und weitere Vollblutmusiker aus M-V die Jazzband „Trafo“. „Hier spielen wir Electric Fusion modernen Jazz. Zunächst haben wir Stücke gecovert, aber seit diesem Jahr konzentrieren wir uns auf Eigenkompositionen“, erzählt der Peenestädter, der in der Band dem Gitarren-Synthesizer seine Klänge entlockt. Die Aktion in der Gruppe ist ihm wichtig; gern nimmt er den Anfahrtsweg zu den wöchentlichen Proben in Bergen auf Rügen in Kauf.
Morgen tritt „Trafo“, in der zudem Cornelius Jelen am Schlagzeug, Michael Jäger an der E-Gitarre und Horst Modler am Bass agieren, in Wolgasts Bibliothek auf mit Jazzrock, Funk, Latin/Afro und HipHop-Rhythmen. TOM SCHRÖTER

Ostsee-Zeitung, 18.05.2007

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