Zwei Brüder im Weihnachts-Stress

Matti Himmelreich spielt seit sieben Jahren Akkordeon. Sein Zwillingsbruder Monty hat die Klarinette für sich entdeckt. Gemeinsam treten sie mit weihnachtlichen Liedern auf. Das heimische Wohnzimmer wird in der Weihnachtszeit zum gemütlichen Proberaum. FOTOS(2): I. NEHLSStatt das Jahr langsam ausklingen zu lassen, tingeln Matti und Monti Himmelreich zur Adventszeit zwi­schen Schulprüfungen und Konzertauftritten.

VON INGMAR NEHLS

KOSEROW. Im Himmelreich tanzen Herkules, Diva und Mimmi zu Klari­nettenmelodien und schwungvol­len Akkordeonstücken. Aber nicht nur daheim spielen die Zwillinge Monty und Matti auf und sorgen mit weihnachtlichen Klängen für warme Herzen in der Adventszeit. Die Brüder erleben wie viele an­dere Musikschüler im Kreis gerade eine sehr stressige Zeit. Denn ein Auftritt jagt den nächsten.
Vor den Weihnachtsferien wird es auch in der Schule noch mal stressiger, denn einige Tests stehen auf dem Plan.„Los geht es am ersten Advents­wochenende und dann finden wö­chentlich mehrere Konzerte statt. Die Hauptkampfzeit war die ver­gangene Woche mit den Konzerten in Wolgast und Anklam, bei denen über 50 Schüler mitgewirkt ha­ben“, sagt Kreismusikschulleiterin Marika Guddat. Insgesamt haben 186 Schüler 22 Auftritte bestritten und dafür fleißig geübt. Auch Matti Himmelreich war dabei. Er spielt seit sieben Jahren Akkor­deon. Manchmal tritt er allein auf, oft aber im Akkordeonorchester oder auch im Duo mit seinem Bru­der Monty. Der erstge­borene Zwilling hat lange nach dem richtigen Instrument für sich gesucht und dann endlich die Klarinette entdeckt. So hat jeder sein eigenes Instrument.
Und auch sonst un­terscheiden sich die Zwillinge im Kleidungsstil, der Frisur und im Temperament. „Das ist uns ganz wichtig“, sagt Matti und streichelt Schäferhündin Diva, die neugierig zur Katze Mimmi schaut. Obwohl an den Wänden der beiden Jungs Poster von Wrestlern hängen und sie mit frechen Sprüchen auch gern ihre Mutter reizen, sind die zwei doch gefühlvoll und sehr tier­lieb. Im gemeinsamen Jugendzim­mer hoppelt Herkules über das Sofa und springt auf das Mathebuch von Monty. „Zum Glück ha­ben wir ab Freitag erst­mal Ferien“, sagt Matti und zeigt auf seinen Stundenplan. „Mein Lieblingsfach ist Infor­matik“, erzählt er. Bis 14 Uhr müssen die Sechstklässler in Ückeritz meist die Schulbank drücken. Dann gibt es noch Hausaufgaben und natür­lich müssen sie fleißig mit ihren In­strumenten üben. „Die Weih­nachtszeit ist schon sehr stressig“, sind sich beide einig. Vor lauter Konzerten und Klassenarbeiten hät­ten sie noch gar nicht geschafft, alle Geschenke für das Fest zu orga­nisieren.
Den vorerst letzten Weihnachts­auftritt haben die zwei Brüder heute im Wolgaster Altersheim. Dort werden sie auch wieder ge­meinsam ein weihnachtliches Stück vorspielen. Klarinette und Akkordeon ist eine eher außerge­wöhnliche Kombination, aber im Himmelreich scheint so einiges möglich. Das Koserower Wohnzim­mer verwandelt sich jetzt in einen kleinen Konzertsaal. Mimmi und Diva unterbrechen das Hund- und Katz-Spiel und sitzen zufrieden auf der Couch. Die Lichterpyramide wirft kreisende Schatten an die De­cke und in die heimeliche Stille dringt Montys Klarinette, die stark an Katze Mimmi erinnert.

Nordkurier, 16.12.2009

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