Keine Gedanken an vordere Plätze

Drei junge Talente haben es zum Bundesfinale von „Jugend musiziert“ geschafft

Voll konzentriert ist Christopher Siebert, wenn er auf seinem Akkordeon spielt. Die Musik will er künftig zum Beruf machen.Ostvorpommern (AK/jfk). Wenn vom 21. bis 28. Mai in Lübeck das Bundesfinale des Nachwuchswettbewerbs „Ju­gend musiziert“ stattfindet, wer­den sich auch drei Talente aus Ostvorpommern den Juro­ren stellen: Die 12-jährige Jannica Kraft (Klavier) aus Groß Bünzow und der 13 Jahre alte Christoph Lewke (Altsaxofon) treten als Duett an, während der 19-jährige Christopher Siebert aus Bannemin mit dem Akkordeon sein musikali­sches Können unter Beweis stellen will. Doch schon die Qualifikation allein spricht für sich: Die Fahrkarten für Lü­beck lösten die jungen Musi­ker beim Landesfinale in Schwerin - zuvor hatten sie sie sich bereits beim Regional­ausscheid in Greifswald mit guten Vorträgen überzeugen können. Die Anforderungen sind dabei nicht leichter gewor­den. „Ich war total überrascht, dass wir das geschafft ha­ben“, sagt Jannica. Denn vor dem Auftritt in Schwerin sei sie doch ziemlich aufgeregt ge­wesen. Nicht besser ging es ihrem Duettpartner Christoph Lewke. „Vor dem Auftritt bin ich immer ein wenig tollpatschig“, bekennt er. Ein wenig abgeklärter gibt sich Akkordeo­nist Christopher Siebert. „Ich versuche, beim Spiel einfach nur die Kontrolle zu behalten“, sagt er. Allerdings habe er da­bei nie vordergründig daran gedacht, die nächste Runde zu erreichen. Das sei gewis­sermaßen „ein schöner Beige­schmack“.
Doch „ohne Fleiß keinen Preis“ - dieses Sprichwort gilt gerade in der Musik. Vor dem Landeswettbewerb stand tägli­ches Üben bei allen Dreien auf dem Programm. Jannica und Christoph sind dabei seit November letzten Jahres ein Duo. Speziell im Hinblick auf „Jugend musiziert“ hatten die Lehrer an der Musikschule dies empfohlen - und das Zu­sammenspiel klappte auf An­hieb. Seitdem üben beide drei Mal in der Woche gemeinsam. Möglich ist dies auch, weil die Mutter von Christoph den „Fahrdienst“ übernimmt. „Ich bin meiner Mutter dafür sehr dankbar. Sie hat mich gefordert, wenn ich mal nicht woll­te“, sagt er.
Christoph Lewke und Jannica Kraft treten als Duett beim Bundesfinale von Jugend musi­ziert an.	Fotos (2): J. FoetzkeDie Familie ist dabei in jedem Fall der Auslöser für die musi­kalischen Ambitionen: Immer waren es die älteren Ge­schwister, die mit ihrem Bei­spiel den Anstoß gaben. Und auch von den Eltern gibt es je­de notwendige Unterstützung: Wenn das Vorspiel in Lübeck ansteht, werden sie vor Ort die Daumen drücken. „Selbst mein Onkel wird mit nach Lü­beck kommen“, verrät Chris­toph. Dass die Drei es so weit geschafft haben, ist auch ein Verdienst ihrer Lehrer aus der Kreismusikschule. Jannica Kraft wird von Marina Lamm in Anklam betreut, während Christoph Lewke bei Karola Baltsch in Wolgast den „musi­kalischen“ Feinschliff erhält. Bereits seit acht Jahren absol­viert dort auch Christopher Siebert den Unterricht bei An­drea Neye. „Wir haben dabei alle Höhen und Tiefen mit­erlebt und freuen uns jetzt na­türlich, dass sie es zum Bun­deswettbewerb geschafft ha­ben“, erklärt die stellvertreten­de Leiterin der Kreismusikschule. Nicht nur nebenbei zei­ge die die musikalische Quali­tät der Einrichtung. „Meiner Lehrerin bin ich sehr dankbar. Sie hat maßgeblichen Anteil am Erfolg“, sagt Christopher Siebert.
Wenn die Drei auch bis zum Vorspiel in Lübeck noch so manche Übungsstunde absol­vieren - auf vordere Plätze wird nicht geschielt. „Wir wol­len uns so gut wie möglich präsentieren. Das ist für uns das Allerwichtigste“, meint Christopher. Wie die Juroren dann das Spiel bewerten, werde man sehen. Dabei hat ge­rade Christopher augenschein­lich die größten Chancen: In seiner Altersklasse haben sich lediglich sechs Nachwuchsmu­siker für den Bundesaus­scheid qualifizieren können. Da ist das Teilnehmerfeld in der Kategorie „Klavier und Holzblasinstrument“, in der Jannica und Christoph antre­ten, bedeutend größer. Und nach Lübeck? Christo­pher Siebert wird die Musik zum Beruf machen: Ab Herbst studiert er Akkordeon im Wei­mar. Zugleich soll die Pädagogik dazukommen, so dass er später einmal selbst als Leh­rer seine Fähigkeiten weiterge­ben kann. Jannica und Chris­toph haben sich hingegen noch keine Gedanken darüber gemacht, ob sie ihr Hobby zum Beruf machen. Dafür sind auch noch einige Jahre Zeit. Fest steht jedoch, dass die Musik für alle Drei ein ganz wichtiger Teil ihres Lebens sein wird. Und dies nicht, weil sich damit Meriten oder Preise gewinnen lassen - sondern weil sie ganz einfach Freude bringt.

AnzeigenKurier, 20.05.2010, jfk

© 2010-2019 Kreismusikschule Wolgast-Anklam
Joomla theme by hostgator coupon