Yumiko Nakajima-Backhaus sorgt sich um ihre Landsleute

Die Musikschullehrerin aus Wolgast hofft, dass zum Benefizkonzert für die japanischen Tsunami-Opfer am Sonntag in St. Petri viele Gäste erscheinen, die sich solidarisch zeigen.

Von Tom Schröter


Die Wolgaster Musikpädagogen Yumiko Nakajima-Backhaus und Jörn Backhaus mit ihrem Sohn Emil Bela Minato denken sorgenvoll an Japan. Die Folgen des Erdbebens seien übergroß. Foto: T. SchröterWolgast – Seit Japan am 11. März das schwerste Erdbeben in seiner Geschichte erlebte, macht sich Yumiko Nakajima-Backhaus Sorgen um ihre Angehörigen. Während ihre Landsleute die Auswirkungen der Katastrophe mit Tsunami und atomarer Verstrahlung mit fast stoischer Gelassenheit ertragen, kann die Wolgaster Musikschullehrerin keine Ruhe finden. Zuerst, so berichtet sie, habe auch ihre Verwandtschaft, die in der Präfektur Saitama 50 Kilometer nordöstlich von Tokio wohnt, unter Schock gestanden. „Durch das Beben wurde mein Bruder, der sich von der Nachtschicht ausruhte, aus dem Schlaf gerissen. Er lief, wie alle Nachbarn, aus dem Haus und setzte sich auf die Straße“, schildert sie.
Während das japanische Staatsfernsehen die radioaktive Gefahr, die vom durch den Tsunami zerstörten Kernkraftwerk in Fukushima ausging und ausgeht, herunterspielte, verfolgte sie in Deutschland die Nachrichten: „Ich war von Anfang an skeptisch, ob das stimmt, was meinem Bruder zu Hause erzählt wurde.“ Deshalb habe sie umgehend versucht, wenigstens die drei Kinder des Bruders nach Deutschland ausfliegen zu lassen. Sie schaltete die Botschaft ein, bemühte sich um Flugtickets. „Eines der Kinder hatte aber keinen Reisepass und wir wollten die Geschwister nicht auseinanderreißen.“
Während die Flugpreise stiegen, die Zahl verfügbarer Tickets sank und immer mehr Fluggesellschaften Japan mieden, fügte sich die Familie in Japan irgendwie in ihr ungewisses Schicksal. „Die Schule in Japan ging ja auch weiter; mit den Sportstunden im Freien. Da dachten doch alle, na so schlimm kann es doch nicht sein.“ Yumiko Nakajima-Backhaus’ Schwester indes verschwand sieben Tage nach dem Beben von der Insel. „Sie arbeitet eigentlich in Washington, ist aber zurzeit schwanger und wollte ihr Kind in Japan zur Welt bringen“, berichtet die Schwester. Zum Glück habe sie ein Ticket nach Amerika ergattert. Die Mutter habe sie mit dem letzten Sprit im Tank zur Busstation gefahren, wo sie ein Flughafenshuttle abgeholt habe.
Yumiko Nakajima-Backhaus, die 1995 als Studentin nach Deutschland übersiedelte und hier ihr Eheglück fand, hat gelernt, mit der Erdbebengefahr zu leben: „Immer am 1. September fanden in der Schule Übungen statt, wie man sich im Ernstfall zu verhalten hat: Sitzkissen vor den Kopf halten und unter der Schulbank verkriechen.“ Vielen Bewohnern der Nordostküste Japans haben solche Regeln nichts mehr genützt. Mit Tod bringender Gewalt brach nach dem Beben die Flutwelle über sie herein. Die Probleme seien übergroß. Um den Überlebenden finanziell etwas zu helfen, laden die Kreismusikschule Ostvorpommern sowie die Chöre und das Orchester des Runge-Gymnasiums am Sonntag um 17 Uhr zu einem Benefizkonzert in der Wolgaster St.-Petri-Kirche ein. Die OZ fungiert als Medienpartner.

Konzertbeginn: 17 Uhr

Ab 17 Uhr werden am Sonntag Ensembles der Musikschule und des Gymnasiums singen und musizieren. Zunächst tritt eine BigBand vor der Kirche auf. Um Spenden für die Tsunami-Opfer, die ihre materielle Existenz verloren haben, wird gebeten. Das Geld wird auf ein Spendenkonto der Deutsch-Japanischen Gesellschaft eingezahlt.

Ostsee-Zeitung, 03.05.2011

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