Koserower Orchester funkt SOS

Fehlende Bläser lassen nur noch ein abgespecktes Programm zu.

Von Henrik Nitzsche

Verstärken das Feuerwehr-Blasorchester in den Ferien: Monty Himmelreich (14/l.) aus Koserow, Franz Guddat und Lisa Prager. Foto: hniKoserow – Wer will dem Orchester der Freiwilligen Feuerwehr Koserow den Marsch blasen? Was in der deutschen Sprache als Redewendung für widerspenstige Menschen gilt, die zur Vernunft gebracht werden sollen, ist bei den Kameraden aus der Inselmitte ein Hilferuf.
„Der Bestand des Orchesters ist gefährdet. Wir brauchen Trompeten und Flügelhörner“, sagt die musikalische Leiterin Angelika Dulke. Ohne die Blechbläser kann das Orchester, das in diesem Jahr 50. Geburtstag feierte, nur ein abgespecktes Programm darbieten, wie die Leiterin betont. Zwölf Mitglieder zählt der Klangkörper noch. „Zu Spitzenzeiten waren wir mal 25“, erinnert sich einer der dienstältesten Mitglieder, Hans-Jürgen Blunck. „Die altersbedingten Abgänge vor zwei Jahren haben uns hart getroffen. Dadurch sind wir in die Misere hinein geraten“, sagt Blunck und hofft auf Verstärkung. Nachwuchs sollte es sein, aber auch gestandene Musiker, die einfach wieder Lust verspüren, in einem Orchester zu spielen.
Bei der Nachwuchswerbung setzen die Koserower auf die Kooperation mit der Kreismusikschule Ostvorpommern. Erste Früchte scheinen zu reifen: Sechs Musikschüler proben gegenwärtig im Orchester: darunter sind vier Klarinetten und eine Zugposaune. Blechbläser sind nicht dabei. „Die Modeinstrumente sind Klavier, Gitarre und Saxophon. Dafür haben wir Wartelisten. Für die Blechbläserausbildung steht nur eine halbe Stelle zur Verfügung“, verdeutlichte die Leiterin der Kreismusikschule, Marika Guddat, das Problem. Die wenigen Bläser, die an der Schule sind, gehören zum Pommerschen Blasorchester.
Beim Tag der offenen Tür der Koserower Feuerwehr am 9. Juli soll der Nachwuchs erstmals bei einem Auftritt Orchesterluft schnuppern. „Ich freue mich darauf. Ich liebe das Zusammenspiel der Instrumente“, sagt die 11-jährige Lisa Prager aus Trassenheide. „In einem Orchester ist der Klangeindruck anders“, fügt der Koserower Franz Guddat (11) hinzu.
Neben der Kreismusikschule setzen die Koserower auch weiter auf die Unterstützung anderer Wehren. „Es wäre schade, wenn das Blasorchester auseinander fällt“, so Musikzugführer Blunck, den Märsche, Walzer und Polka seit über 40 Jahren in der Inselmitte begleiten. Der frühere Amtswehrführer gehört dem Orchester – in Ostvorpommern gibt es nur noch Koserow und Lühmannsdorf – seit 1970 an und wünscht sich nichts sehnlicher, als eine „Vielfalt der Instrumente“.
Proben: donnerstags um 19.30 Uhr in der Feuerwehr. Informationen unter: Tel. 03 83 78 /22280

Ostsee-Zeitung, 05.07.2011

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