Musik statt Drogen und Gewalt
Gestern vormittag Auftakt zur Festwoche der Kreismusikschule
Wolgast. „Den Geigenbogen und nicht Baseballschläger schwingen“, dies mahnte Wolgasts Bürgermeister Jürgen Kanehl in seinen Grußworten zum 50- jährigen Jubiläum der Kreismusikschule Ostvorpommern für die Jugend an. Zur gestrigen Festveranstaltung überreichte er einen verheißungsvollen Umschlag statt der obligatorischen Blumen: „für Noten und Instrumente“. Ob es eher für einen gebrauchten Flügel oder nur für eine Blockflöte reicht, blieb offen.
Musische Betätigung zur Prävention von Langeweile, Drogenkonsum oder Kriminalität - so sieht auch Direktor Martin Braun die Funktion der Musikschule, neben der Förderung junger Talente versteht sich.
Zufriedenheit darüber, daß die älteste Musikschule der neuen Bundesländer ihr pädagogisches Personal beibehalten und auch hier im nordöstlichsten Winkel flächendeckenden, qualifizierten Unterricht anbieten kann, und Besorgnis angesichts der Tendenz, bei leeren Kassen gerade an der Kinder- und Jugendarbeit zu sparen, drückten sich in fast allen Ansprachen aus. „Wir dürfen der Verantwortung für Kultur nicht ausweichen“, forderte Renate Oehme, Vorsitzende des Landesverbandes der Musikschulen, und bat die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung, nicht nur von Kürzungen abzusehen, sondern sogar noch mehr Mittel bereitzustellen.
Landrat Herbert Kautz lobte das breite Angebot (neben den klassischen Fächern auch Tanz und Kunst) und unterstrich, wie wichtig die Musikschule für das kulturelle Leben im Landkreis Ostvorpommern ist, „zeichnete sie doch dieses Jahr für 76 Veranstaltungen verantwortlich“.
Musikalisch umrahmt haben den Auftakt zur Festwoche die Schüler Petra Kühne, Stephan Ohl, Theresa Ruch und Juliane Walter mit Streichquartetten von Just und Telemann und einer Sonate von Brèval (Theresa Ruch). A. SONNENBERG
Ostsee-Zeitung, 17.11.1998
