Neue Konzertorte bescheren Musikschule mehr Zuhörer
Marika Guddat zieht positive Bilanz - Ensemble-Arbeit macht einen deutlichen Sprung
Wolgast (AK/olm). Die Klavierdeckel sind zugeklappt, die Geigen in ihren Kästen und die Notenblätter im Schrank. Bevor sich der Hausschlüssel drehte und die Musikschule Ostvorpommern nun für einige Wochen - abgesehen vom Hausmeister - völlig verwaist ist, zog Schulleiterin Marika Guddat eine positive Bilanz des vergangenen Unterrichtsjahres an der Kreismusikschule Ostvorpommem. „Am meisten habe ich mich darüber gefreut, dass es seit September wieder ein deutsch-polnisches Akkordeon-Ensemble gibt“, macht sie deutlich. Schließlich hatte sich das Team der Schule vor allem die Ensemble-Förderung als Schwerpunkt auf die Fahnen geschrieben. Angesichts der langen Wege und vielen Unterrichtsorte ist und bleibt dies ein Kraftakt für Eltern. Lehrer und vor allem die Kinder, die zu den jeweiligen Gruppen gehören.
Umso höher sei es einzuschätzen, dass es nun wieder regelmäßige Proben und Auftritte mit den polnischen Akkordeon-Schülern gibt. Das erste gemeinsame Programm spielten die Eleven am 3. Oktober bei einer Festveranstaltung in Wolgast. Inzwischen wird alle vier bis sechs Wochen zusammen musiziert und beim bisher letzten Auftritt in der Wolgaster Petri-Kirche war das Ensemble bereits auf 23 junge Musiker im Alter zwischen sieben und 16 Jahren angewachsen. Nach den Sommerferien steht bereits der nächste Höhepunkt auf dem Programm - die gemeinsame Teilnahme am Festival in Koszalin, wo im vergangenen September die ersten Schritte zur Wiederbelebung des Orchesters gemacht wurden.
Neue Wege haben Marika Guddat und ihr Team auch bei anderen traditionellen Veranstaltungen beschritten, die nun wesentlich häufiger außerhalb des Wolgaster Musikschulgebäudes in der Bahnhofstraße stattfinden, etwa in der Bibliothek, dem Ratssaal oder dem Atelier Otto Niemeyer-Holstein. Das wirkt sich auch positiv auf die Besucherresonanz aus. Insgesamt erreichten die 146 Veranstaltungen mit 2046 Auftritten von Schülern und Lehrern 11296 Zuhörer.
Ein besonderer Erfolg war das gemeinsam mit dem Runge-Gymnasium organisierte Benefizkonzert für die japanischen Tsunami-Opfer in der Petri-Kirche, das die stolze Summe von 1282,76 Euro erbrachte. Begeistert von der tollen Atmosphäre wagte es die Schulleitung erstmals, auch für das Jahresabschlusskonzert den großen Rahmen des Gotteshauses zu nutzen. „Ursprünglich hatten wir 100 Stühle in die Südkapelle gestellt, aber die waren schon lange vor Beginn besetzt, so dass wir kurzfristig ins große Kirchenschiff umgezogen sind“, bedankt sich Guddat noch einmal für die gute Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde. Schließlich lauschten 250 Zuhörer den 24 Akkordeon-Spielern, 16 Streichern und über 20 Holzbläsern, die gemeinsam erarbeitete Stücke präsentierten. „Künftig wollen wir beim Abschlusskonzert immer reine Ensembles auftreten lassen“, kündigt die Schulleiterin an und hofft, dass die Veranstaltungen in St. Petri für Wolgaster Musikfreunde zu einem Fixpunkt im Veranstaltungskalender werden.
„Unsere zentrale Aufgabe bleibt jedoch natürlich die Unterrichtsarbeit“, betont sie gleichzeitig. Auch in dieser Hinsicht kann sie sehr zufrieden mit dem Schuljahr sein. Beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ schnitten die Teilnehmer aus Ostvorpommern ausgesprochen gut ab. Die besten von ihnen schafften es zum Landes- und sogar Bundeswettbewerb. Die 21 fest angestellten und sieben Honorarkräfte seien sehr gut ausgelastet und alle Stellen besetzt. Zum Schuljahresende habe nun zwar eine Honorarlehrerin für Gesang gekündigt, doch für die Nachfolge gebe es bereits drei Bewerbungen. „Wir gehen davon aus, dass wir die Stelle zum neuen Schuljahr nahtlos neu besetzen können“, so Guddat. Noch etwas durchwachsen ist die Situation im lange vakanten Tanzbereich. Lehrerin Dorit Hahn konnte inzwischen in Karlshagen und Zinnowitz Gruppen aufbauen, die „richtig gut laufen“, doch für den Unterricht in Wolgast werden weiter Interessenten gesucht. Insgesamt ist die Zahl der Schüler trotz der geburtenschwachen Jahrgänge konstant geblieben, liegt mit 1022 derzeit sogar um acht höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. „Die Anmeldezahlen für September sehen ebenfalls gut aus. Bei Gitarre und Holzbläsern können wir den Bedarf gar nicht komplett bedienen“, schildert Marika Guddat. Bei Streichern und Klavier sind dagegen noch einige Plätze frei.
AnzeigenKurier, 21.07.2011
